19. November 2018

Berufsunfähigkeitsversicherung – Worauf ist beim Abschluss zu achten?

 Die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, gehört zu den wichtigsten Versicherungssparten überhaupt.Jeder vierte Berufstätige scheidet heute vor dem Erreichen der Altersgrenze aus dem Berufsleben aus, weil er berufs- oder erwerbsunfähig wird. Die BU entscheidet über die existenziellen und finanziellen Grundlagen des weiteren Lebens nach einer eingetretenen Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall.

BerufsunfähigkeitsversicherungGesetzliche Regelung

Seit dem 01.01.2001 gilt: die bisherige Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrente entfällt, stattdessen wird die zweistufige Erwerbsminderungsrente eingeführt. Bei der Erwerbsminderungsrente wird nur auf den Gesundheitszustand abgestellt, das bedeutet die Möglichkeit der Verweisung auf alle Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist möglich.

Eine Berufsunfähigkeitsrente im bisherigen Sinne erhalten nur noch vor dem 02.01.1961 geborene versicherte Personen. Alle anderen Versicherten haben keinen gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz mehr und erhalten nur eine so genannte Erwerbsminderungsrente: Wer weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann, erhält noch ca. 40% seines letzten Bruttoeinkommens (maximiert auf die Beitragsbemessungsgrenze) bzw. 53% seines Nettoeinkommens als sogenannte volle Erwerbsminderungsrente. Wer noch mindestens 3 aber weniger als 6 Stunden täglich arbeiten kann, erhält ca. 20% seines letzten Bruttoeinkommens (maximiert auf die Beitragsbemessungsgrenze) bzw. 32% seines Nettoeinkommens als sogenannte halbe Erwerbsminderungsrente.

Ab 6 Stunden täglicher beruflicher Belastbarkeit ist eine Verweisung auf alle Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes möglich, ohne der versicherten Person eine entsprechende Stelle vermitteln zu müssen. Als weitere Einschränkung gilt eine grundsätzliche Befristung auf 3 Jahre (Rentenanspruch muss komplett neu beantragt werden) und die Karenzzeit von 7 Monaten (6 Monate gibt es kein Geld ).

Altverträge sind zu überprüfen!

Wer bereits eine BU abgeschlossen hat, sollte sie auf ihr Preis/Leistungsverhältnis hin überprüfen. Es gibt einige gute Gründe, einen BU-Altvertrag zu kündigen, wie z. B. wichtige Verbesserungen der Versicherungsbedingungen oder eine Anpassung der Versicherungssumme bei veränderten Lebensbedingungen. Auch ist die Laufzeit der BU-Absicherung in Altverträgen oft unzureichend.

Worauf Sie bei einem Neuabschluss oder bestehenden Vertrag auf jeden Fall achten sollten:

Verzicht auf die abstrakte Verweisung

Der Begriff bedeutet: Unter der abstrakten Verweisung versteht man die Verweisung auf einen nicht ausgeübten Beruf, der nach Fähigkeiten und Kenntnissen ausgeübt werden könnte und der der bisherigen Lebensstellung entspricht.Das Verweisungsrecht gesteht dem Versicherer zu, die Rentenzahlung abzulehnen, wenn Sie berufsunfähig werden, jedoch noch einen vergleichbaren Beruf ausüben können. Ob sich tatsächlich ein Arbeitsplatz in dem Verweisungsberuf findet ist unwichtig, das Risiko der Arbeitslosigkeit liegt beim Versicherten. In neueren Verträgen finden Sie in den Bedingungen nur noch eine konkrete Verweisungsmöglichkeit. Das heißt, der Versicherer kann nur dann die Rentenzahlung verweigern, wenn Sie trotz Berufsunfähigkeit einen Beruf ausüben, der mit dem bisherigen vergleichbar ist.

Beispielsweise: Ein berufsunfähiger Tischlermeister kann als Fach- verkäufer in einem Einbauküchenfachhandel arbeiten, in diesem Fall kann das Versicherungsunternehmen konkret auf diesen Beruf verweisen und die Zahlungen einstellen, so urteilte das OLG Düs- seldorf am 16.03.2010 (Az. I-4 U 51/10).

 

Anpassen der Versicherungssumme

Veränderungen im Leben erfordern meist auch eine Anpassung der bestehenden Versicherungssumme, was bei älteren Verträgen kaum möglich ist. Bei Abschluss des Altvertrages in früheren Zeiten war eine Rentenzahlung von monatlich Euro 1.200 ausreichend, jedoch nach weiteren 15 Jahren nicht mehr. Der Grund liegt in der Inflation, die die Kaufkraft geschmälert hat.Bei heutigen Abschlüssen einer BU kann die Versicherungssumme der Lebenssituation bei bestimmten Ereignissen angepasst werden, zum Beispiel bei Heirat oder Geburt der Kinder – und das ohne eine erneute Gesundheitsprüfung. Manche Versicherer erlauben ereignisunabhängig eine Anpassung der Versicherungssumme. Entscheidend sind immer die vertraglichen Regelungen. Eine weitere Möglichkeit ist bei Vertragsabschluss bereits zu vereinbaren, dass im Leistungsfall eine garantierte Rentenzahlung (Leistungsdynamik) oder vor dem Leistungsfall die Versicherungssumme (Beitragsdynamik) jährlich steigt. So können Sie sich für  die nächsten Jahrzehnte gegen Kaufkraftverlust durch eine Inflation schützen.

   Wie gesund sind Sie?

Generell gilt, je jünger ein Mensch, desto gesünder ist er und desto weniger kostet die Absicherung. Ein kerngesunder junger Mann mit 25 Jahren hat keinerlei Probleme eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, wenn er feststellt, dass bei seinem Altvertrag das Preis-/Leistungsverhältnis nicht mehr stimmt.

Jedoch Vorsicht, wenn Sie als 40-jähriger Mann einen komplett neuen Vertrag abschließen möchten. Hier verlangt der neue Versicherer eine umfassende Gesundheitsprüfung. Der Versicherer entscheidet bei Vorerkrankungen darüber, ob er Sie gegen Zahlung eines Risikozuschlages annimmt oder einfach ablehnt. Das beutet im Klartext verbesserte Leistungen jedoch höhere Beiträge. Um Ihre Chancen auf einen neuen Vertrag nicht zu verlieren, sollten Sie eine unverbindliche Voranfrage über einen Versicherungsmakler  bei verschiedenen BU-Versicherern stellen. Man teilt Ihnen die entsprechenden Bedingungen mit, zu denen Sie versicherbar sind.Erst mit dem Vorliegen eines neuen schriftlichen Vertrages sollte der Altvertrag gekündigt werden.

  Laufzeit

Die Versicherungs- und Rentenzahlungsdauer sollte möglichst bis zum Eintreten der Altersrente (derzeit spätestens mit 67 Jahre) vereinbart werden.Bei Verkürzung der Laufzeit sinkt der Beitrag. Doch Vorsicht: Die „Wartezeit“ bis zum Beginn der Altersrente muss dann mit eigenen finanziellen Mitteln überbrückt werden.

   Kapitalverlust bei Kündigung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Risikoversicherung, wie beispielsweise eine Kfz-Versicherung. Es wird in der Regel kein Kapitalstock aufgebaut. Sie verlieren bei der Kündigung einer eigenständigen BU oder einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) verbunden mit einer Risikolebensversicherung (Haupt- versicherung) kein Geld. Sie können auch nur die BUZ kündigen, wenn die Risikoabsicherung weiterhin benötigt wird.Im Gegensatz zu einer BUZ, die mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung (Hauptversicherung) gekoppelt ist, werden Sie im Falle einer Kündigung des gesamten Vertrages (Hauptversicherung und Zusatzversicherung) Kapital verlieren. Es ist ratsam, bei einer solchen BUZ, nur die Hauptversicherung bestehen zu lassen und ggf. die BUZ auf eine Beitragsbefreiung umzustellen. Aber auch nur dann, wenn der neue BU-Vertrag bereits vorliegt. Durch dieses Vorgehen bleibt das Kapital bestehen.

  Kündigung

Ein BU-Vertrag kann zur nächsten Beitragsfälligkeit gekündigt werden, teilweise erst nach dem ersten Versicherungsjahr. Näheres finden Sie in den Versicherungsbedingungen oder fragen Sie einen spezialisierten Versicherungsmakler.

 

 



 

 

About M.Krolinski

Versicherungsmakler mit 22 Jahren Berufserfahrung am Markt. Spezialisiert auf die Private Krankenversicherung, die Berufsunfähigkeitsversicherung und die private Pflegezusatzversicherung. Aber auch zu anderen Sparten auskunfts-und hilfsbereit.

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